Chefstratege: Der Brand ist gelöscht, aber die Glut schwelt noch

Danske Banks Strategen ziehen Bilanz nach den ersten fünf Wochen Coronakrise an den Finanzmärkten. An den Aktienmärkten ist das Aufwärtspotenzial ihrer Meinung nach jetzt größer als das Abwärtspotenzial.

Das schlimmste Feuer wurde gelöscht, aber die Glut wird wahrscheinlich noch eine Weile schwelen. So beschreibt Chefstratege Henrik Drusebjerg die Situation an den Finanzmärkten, an denen die Coronakrise jetzt in ihre sechste Woche geht. Insgesamt kam es in der vergangenen Woche zu deutlichen Kursanstiegen an den Aktienmärkten, nachdem die Kurse in den Wochen zuvor stark eingebrochen waren.

„Die enormen Konjunkturpakete der Regierungen und Zentralbanken aus aller Welt haben die Angst und die Panikverkäufe der Anleger abgemildert. Zugleich sind die Kursanstiege eine natürliche Gegenreaktion nach einer Phase mit sehr hohen Kursverlusten. Dies liegt unter anderem daran, dass viele institutionelle Investoren an die Aktienmärkte zurückgekehrt sind, um in ihren Portfolios die gewünschte Allokation in Aktien und Anleihen wiederherzustellen“, erklärt Henrik Drusebjerg.

Kreditmärkte geben Anlass zu Optimismus

Dem Chefstrategen zufolge deuten verschiedene Indikatoren darauf hin, dass die schlimmsten Turbulenzen hinter uns liegen – nicht zuletzt die Entwicklung am Markt für Unternehmensanleihen.

„Die Kreditmärkte sind sehr wichtig für die Liquidität, da hier die Unternehmen neues Kapital aufnehmen können. Diese Märkte scheinen in der letzten Woche etwas aufgetaut zu sein, nachdem sie mehrere Wochen eingefroren waren. Der Handel mit Anleihen war für Investoren kaum möglich, und es war für die Unternehmen schwierig, neues Kapital zu fairen Bedingungen aufzunehmen. Doch zuletzt konnten wir beobachten, dass Unternehmen wie McDonalds, Nike, Pfizer und Nestlé in der Lage waren, neue Anleihen mit vernünftigen Kupons zu emittieren“, meint er.

Eskalierende Kreditkrise wurde gebremst

Laut Henrik Drusebjerg haben die Zentralbanken in Europa und den USA eine entscheidende Rolle bei der Stabilisierung der Kreditmärkte gespielt, indem sie bekanntgaben, dass sie Anleihenkäufe in Milliardenhöhe tätigen werden – in den USA sogar ohne Obergrenze. Gleichzeitig verkündete die US-Notenbank am Montag letzter Woche, dass sie zum ersten Mal in ihrer Geschichte Unternehmensanleihen kaufen würde. Das hat der eskalierenden Kreditkrise einen weiteren Dämpfer versetzt.

Für den Chefstrategen sind auch die Renditen von italienischen Staatsanleihen ein Zeichen dafür, dass sich die schlimmste Panik gelegt hat. Nach großen Anstiegen Mitte März sind die Renditen wieder gefallen.

„Der italienische Staat muss sehr viel Geld aufnehmen, um die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus abzufedern. Deshalb sind die Finanzierungskosten jetzt vielleicht so wichtig wie noch nie. Die fallenden Renditen sind daher ein positives Zeichen – und ein Vertrauensbeweis der Investoren an die Europäische Zentralbank, die den Ankauf von europäischen Staatsanleihen angekündigt hat, darunter auch italienische Papiere“, sagt Henrik Drusebjerg.

Erholung in der zweiten Jahreshälfte erwartet

Auch wenn sich die schlimmste Panik an den Finanzmärkten gelegt hat, steht ihnen noch ein langer, steiniger Weg bevor. Die Weltwirtschaft ist nach wie vor gelähmt und wird auch noch einige Zeit in diesem Zustand verharren. Während sich die Anzahl der Corona-Neuinfektionen in zahlreichen europäischen Ländern vermutlich so langsam ihrem Höhepunkt nähert, befinden sich die USA noch in einem früheren Stadium und haben das Schlimmste wahrscheinlich noch vor sich.

„Bildlich gesprochen haben wir immer noch einen Berg vor uns, den wir besteigen müssen. Doch die Zuversicht ist gestiegen, dass wir den Gipfel erreichen und auf der anderen Seite wieder absteigen werden. Die kommenden Wochen und Monate werden jedoch eine schwierige Gratwanderung, bei der die Regierungen ihre Volkswirtschaften schrittweise wieder öffnen müssen, ohne einen neuen großen Virusausbruch zu riskieren. Bei Danske Bank gehen wir nach wie vor davon aus, dass sich die globale Wirtschaftsaktivität im Laufe der zweiten Jahreshälfte 2020 wieder erholen wird“, sagt Henrik Drusebjerg.

Anleger tappen im Dunkeln

Obwohl der Chefstratege der Ansicht ist, dass die heftigsten Kurseinbrüche an den Aktienmärkten hinter uns liegen, rechnet er in der kommenden Zeit weiterhin mit einer großen Unsicherheit und erheblichen Kursschwankungen.

„Wir werden eine Phase mit schlechten Wirtschaftskennzahlen durchlaufen, an denen sich die Anleger aus etwas größerer Perspektive kaum orientieren können. Gleichzeitig werden auch die Unternehmen nicht in der Lage sein, ihre Erwartungen für 2020 klar zu formulieren. Deshalb tappen die Anleger derzeit im Dunkeln und müssen sich darauf beschränken, sich auf andere Dinge zu konzentrieren, wie z. B. auf die Bewertung der konjunkturellen Hilfsmaßnahmen und die Anzahl der Infizierten. Hier könnten die aktuellen Entwicklungen zu erheblichen Marktschwankungen führen“, erläutert er.

Hier und jetzt sind es aber auch nicht die Unternehmensgewinne im Jahr 2020, die den Anlegern am meisten Sorgen bereiten. Sondern eher die Frage, wann die Konjunktur wieder in Schwung kommt und wie stark die Coronakrise zwischenzeitlich die Unternehmen und die Gesamtwirtschaft beeinträchtigt.

Aufwärtspotenzial ist größer als Abwärtspotenzial

Nach den großen Kurseinbrüchen im März dürfte momentan das Aufwärtspotenzial an den Aktienmärkten laut Henrik Drusebjerg im Allgemeinen größer sein als das Abwärtspotenzial, auch wenn durchaus noch weitere Phasen mit erheblichen Kursrückgängen kommen können.

„Als Anleger sollte man aber nicht vergessen, dass die Aktienmärkte erfahrungsgemäß einige Zeit vor der Wirtschaft eine Kehrtwende vollziehen – nämlich dann, wenn die Anleger so langsam die ersten Silberstreifen am Horizont erkennen“, erklärt er.

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